Das Winkelmass auf dem Dollarschein, das Allsehende Auge auf Pyramiden, der Zirkel im Vereinslogo – Freimaurer-Symbole sind überall zu finden, oft missverstanden und manchmal bewusst mystifiziert. Aber was bedeuten diese Zeichen wirklich? Eine sachliche Erklärung der wichtigsten Symbole.
Winkelmass und Zirkel: Das wichtigste Symbol
Das bekannteste freimaurerische Symbol ist die Kombination von Winkelmass und Zirkel, oft überlagert und mit dem Buchstaben «G» in der Mitte. Diese beiden Werkzeuge stammen direkt aus dem Handwerk der mittelalterlichen Steinmetze.
Das Winkelmass (ein L-förmiges Messinstrument) steht für moralische Geradheit und Rechtschaffenheit. Wie der Steinmetz mit dem Winkelmass prüft, ob sein Werk rechtwinklig ist, so soll der Freimaurer prüfen, ob seine Handlungen «im rechten Winkel» zur Moral stehen.
Der Zirkel symbolisiert die Fähigkeit, Mass zu halten und Grenzen zu ziehen – zwischen Richtigem und Falschem, zwischen dem Eigeninteresse und dem Gemeinwohl.
Das «G» in der Mitte steht je nach Tradition für «Geometrie» (die Königin der Wissenschaften im Mittelalter), «God» (Gott, im englischsprachigen Raum) oder «Gnosis» (Erkenntnis). In der Freimaurerei wird bewusst kein bestimmtes religiöses Konzept durchgesetzt – jedes Mitglied interpretiert das «G» nach seiner eigenen Überzeugung.
Die Schürze: Zeichen des Handwerkers und der Reinheit
Die freimaurerische Schürze (Apron) stammt direkt von den Lederschürzen der mittelalterlichen Steinmetze. Wer in der Loge arbeitet, trägt eine weisse Schürze – das Symbol der Reinheit der Absichten und der handwerklichen Arbeit an sich selbst.
Je nach Grad und Loge werden die Schürzen reicher verziert: mit Symbolen, Stickereien und Farben. Für Freimaurer-Kollektionäre sind historische Schürzen begehrte Sammlerobjekte.
Das Allsehende Auge: Gott oder Überwachung?
Das Allsehende Auge (Eye of Providence) ist das am meisten missverstandene Symbol der Freimaurerei. In Verschwörungstheorien wird es als Zeichen geheimer Weltherrschaft gedeutet. Die tatsächliche Bedeutung ist jedoch viel nüchterner.
Das Auge in einem Dreieck (das für die Dreifaltigkeit steht) symbolisiert die Allwissenheit Gottes – das «Alles-sehende» Wesen, vor dem keine Handlung verborgen bleibt. Für den Freimaurer ist es eine Erinnerung: Handle stets so, als würde alles gesehen. Es ist ein moralisches Korrektiv, kein Überwachungssymbol.
Säulen Boaz und Jachin: Der Eingang zum Salomonischen Tempel
An jedem freimaurerischen Tempel stehen symbolisch zwei Säulen: «Boaz» (Stärke) und «Jachin» (Festigkeit). Sie verweisen auf den Tempel Salomons in Jerusalem, der in der freimaurerischen Mythologie eine zentrale Rolle spielt.
Hiram Abiff, der Baumeister dieses Tempels, ist die Schlüsselfigur der freimaurerischen Legende: Er wurde ermordet, weil er das Meisterwort – das höchste Geheimnis – nicht preisgab. Sein Tod und die symbolische Wiedergeburt bilden den Kern der Meister-Initiation.
Symbole am Körper tragen
Pins, Manschettenknöpfe, Krawatten und andere Merchandise-Artikel mit freimaurerischen Symbolen sind mehr als Schmuck. Sie sind ein stilles Bekenntnis zu diesen Werten: Geradheit, Masshaltung, Brüderlichkeit. Ein Bruder erkennt den anderen am Symbol – diskret und würdevoll.
Für Freimaurer ist das Tragen dieser Symbole im Alltag eine Form der Erinnerung: an die eigene Verpflichtung gegenüber der Bruderschaft, gegenüber dem eigenen Charakter und gegenüber der Gesellschaft.