Freimaurer – der Name klingt geheimnisvoll, fast mystisch. Doch hinter den verschlossenen Türen der Logen verbirgt sich eine der ältesten und einflussreichsten Bruderschaften der Welt. Ihre Geschichte reicht bis ins mittelalterliche Handwerk zurück, ihre Werte sind bis heute hochaktuell.
Die Ursprünge: Von den Bauhütten ins Bürgertum
Die Freimaurerei entwickelte sich aus den mittelalterlichen Bauhütten der Steinmetze und Dombaumeister. Diese Handwerker zogen von Baustelle zu Baustelle, errichteten die grossen Kathedralen Europas und hüteten ihr Fachwissen eifersüchtig. Um echte Meister von Ungelernten zu unterscheiden, entwickelten sie geheime Erkennungszeichen, Griffe und Losungsworte.
Im frühen 18. Jahrhundert, genauer gesagt 1717, wandelte sich diese operative Handwerkstradition in eine «spekulative» Bruderschaft um: In London schlossen sich vier Logen zur ersten Grossloge zusammen. Statt Stein zu bearbeiten, sollten die Mitglieder nun an sich selbst arbeiten – ihren Charakter formen, ihre Tugenden stärken.
Die drei Grundpfeiler: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
Diese drei Begriffe – heute untrennbar mit der Französischen Revolution verbunden – entstammen zu einem grossen Teil dem freimaurerischen Gedankengut. Viele der Revolutionäre und Aufklärer des 18. Jahrhunderts waren Freimaurer: Mozart, Voltaire, Benjamin Franklin, George Washington.
Die drei Grundsätze der Freimaurerei sind:
- Freiheit – jedes Mitglied denkt und entscheidet selbst. Freimaurerei ist keine dogmatische Religion, sondern ein Weg der persönlichen Entwicklung.
- Gleichheit – in der Loge sind alle Brüder gleich, unabhängig von Stand, Beruf oder Herkunft. Der Bürgermeister sitzt neben dem Handwerker.
- Brüderlichkeit – Mitglieder unterstützen einander und engagieren sich für die Gesellschaft. Charity-Arbeit ist ein zentraler Bestandteil.
Was passiert in einer Loge?
Die Loge ist der Versammlungsort der Freimaurer. Hier finden rituelle Arbeiten statt, werden Grade verliehen, Vorträge gehalten und Diskussionen geführt. Das Ritual – mit Symbolen, Instrumenten und Zeremonien – dient als Lernmethode: Es soll den Geist öffnen und zum Nachdenken anregen.
Das bekannteste Symbol ist das Winkelmass (für moralische Geradheit) und der Zirkel (für die Abgrenzung von Richtigem und Falschem). Zusammen mit dem Buchstaben «G» – für Geometrie oder Gott – bilden sie das Erkennungszeichen der Freimaurer.
Freimaurer heute
Weltweit gibt es schätzungsweise sechs Millionen Freimaurer in über 200 Ländern. In der Schweiz sind es mehrere tausend, verteilt auf Logen in allen grossen Städten. Die moderne Freimaurerei ist weit von der Geheimniskrämerei der Vergangenheit entfernt – viele Logen öffnen sich der Öffentlichkeit und leisten aktive Gemeinschaftsarbeit.
Was bleibt, ist die Tradition: der Handschlag, die Schürze, das Ritual. Und die Überzeugung, dass ein Mensch an sich arbeiten muss, um die Welt besser zu machen.